Auch unsererseits unterwegs im Wald - unbeschwert und grundlos, wie im Tanz, es läßt sich nicht mehr sagen, wer mit von der Partie war -, sahen wir ihn, wie er im Schutz der hohen Bäume unter dem Farn mit einem sichelartiges Messer Wurzel und Kräuter ausgräbt. Als er sich aufrichtet und zu uns herüberschaut, eine gelinde Überraschung: es ist Martin Walser. Das heraufziehende Unwetter würde schrecklich sein. Wir bieten ihm Unterschlupf in unserer Hütte an.
Mittwoch, 2. Oktober 2013
Donnerstag, 30. Mai 2013
Städtebilder
Die untergegangene Sowjetunion ist verwahrt in ihrer Enzyklopädie. Die Bilder der Städte erwecken unsere Sehnsucht, wie alles vergangene Leben, an dem wir nicht teilhaben konnten.
Alma Ata
Amiens
Andischan
Archangelsk
Batumi
Beslan
Biarritz
Bucharest
Drogobytsch
Jelgava
Jenakijewo
Leninabad
Megri
Parakar
Pensa
Plowdiw
Rjasan
Sofija
Tbilissi
Warschawa
Wiljnjus
Wologda
Dienstag, 14. Mai 2013
Fragen des Stils
In einer Rezension vom 27. April 2013 in der FR ist zu lesen: Michon ist ein fabelhafter Stilist, durchaus auf der Suche nach dem perfekten, flaubertschen Ausdruck für die äußere, vor allem jedoch der inneren Wirklichkeit seiner Figuren. Immer aber, wenn der Stil nichts auszurichten vermag, wenn der Wohlklang der Worte zu verpuffen droht, weil sie der existenziellen Situation nicht beikommen, zeigt sich eine Neigung zum Archaischen in Michons Prosa.
Der in diesen Zeilen erscheinende Begriff von Stil ist gewöhnungsbedürftig. Stil wäre eine Schönwettervorrichtung, die weichen muß, wenn es ernst wird und Sturm aufkommt. Bei Michon müßten nach dieser Lesart zwei Schichten der Prosa festzustellen sein, eine stilhafte und eine stillose; eine entsprechende Feststellung läßt sich aus eigener Kraft nicht treffen. Der Rezensent gibt allerdings einen Hinweis, was bei Michon in der Krisensituation an die Stelle des Stils tritt: eine Neigung zum Archaischen. Sofern Stil vordringlich an sprachlichen Merkmalen festzumachen ist, könnte man an ein Ausweichen ins Patois denken oder an ein Zurückgreifen auf ältere Zustände des Französischen, ähnlich wie Brian Ó Nualláin an einer Stelle des Béal Bocht vom Neuirischen ins Mittelirische wechselt; nichts dergleichen aber ist festzustellen bei Michon. Il plut pendant tout septembre: sollen wir glauben, Michon, der fabelhafter Stilist, habe aufgrund der andauernd schlechten Wetterlage in Castelnau auf Stil ganz verzichten müssen?
Alles spricht dafür, daß der vorgeschlagene Stilbegriff, auch bei intensivem Bemühen, nicht gewöhnungsfähig und in sein Gegenteil zu verkehren ist. Stil tritt überhaupt erst auf, wenn es ernst wird, wenn es Dinge zu sagen gilt, die sich nicht sagen lassen, wenn es sich, wie der Theoretiker formuliert, um Operationen im Medium des Wahrnehmbaren oder Anschaulichen handelt, die, auch und gerade dann, wenn es um Wortkunst, um Dichtung geht, die übliche Sinnleitung der Sprache nicht in Anspruch nehmen. Stil ist die übergreifende, einem Ausdruckszwang entspringende, in Wortwahl, Satzbau, Motivik und Thematik eingezeichnete künstlerische Formentscheidung. Nach dieser Begriffskorrektur läßt sich bestätigen: Michon ist ein fabelhafter Stilist.
Wenn, nach seiner Einschätzung, Flauberts Stillektionen nur teilweise befolgt werden konnten, so bietet der Rezensent doch weitere Orientierungspunkte an: Stellen Sie sich eine Figur von Céline in der Provinz vor. Einen Icherzähler wie bei Gombrowicz, der umherrennt und den Spuren seiner Erregung folgt. – Die Anweisung läßt sich nur schwer beherzigen, anderen Lesern wären die beiden genannten Autoren eher nicht in den Sinn gekommen. Zum besseren Verständnis Michons kommt aber noch ein weiteres, diesmal negatives Wegezeichen ins Spiel: Wer Michon vor fünfzehn Jahren schon gelesen hat, fiel gewiß weniger heftig auf Houellebecq herein. – Auch das stimmt nachdenklich. Wieso ist Houellebecq kein Autor, den man mehr oder weniger schätzen oder auch ablehnen kann, sondern einer, auf den man notwendig hereinfällt, es sei denn, Michon stellt sich warnend in den Weg. Es handelt sich um zwei französische, in französischer Sprache schreibende Prosaautoren, beide offenbar in besonderer Weise dem Tabak zugetan, weitere Ähnlichkeiten sind auf den ersten Blick nicht festzustellen. Wenn es allerdings nicht mehr als zwei französische Autoren gäbe, Houellebecq und Michon, und man müßte sich für einen entscheiden, dann, und insofern hat der Rezensent in einem tieferen Sinne Recht, bestünden gute Gründe, sich für Michon zu entscheiden.
Der in diesen Zeilen erscheinende Begriff von Stil ist gewöhnungsbedürftig. Stil wäre eine Schönwettervorrichtung, die weichen muß, wenn es ernst wird und Sturm aufkommt. Bei Michon müßten nach dieser Lesart zwei Schichten der Prosa festzustellen sein, eine stilhafte und eine stillose; eine entsprechende Feststellung läßt sich aus eigener Kraft nicht treffen. Der Rezensent gibt allerdings einen Hinweis, was bei Michon in der Krisensituation an die Stelle des Stils tritt: eine Neigung zum Archaischen. Sofern Stil vordringlich an sprachlichen Merkmalen festzumachen ist, könnte man an ein Ausweichen ins Patois denken oder an ein Zurückgreifen auf ältere Zustände des Französischen, ähnlich wie Brian Ó Nualláin an einer Stelle des Béal Bocht vom Neuirischen ins Mittelirische wechselt; nichts dergleichen aber ist festzustellen bei Michon. Il plut pendant tout septembre: sollen wir glauben, Michon, der fabelhafter Stilist, habe aufgrund der andauernd schlechten Wetterlage in Castelnau auf Stil ganz verzichten müssen?
Alles spricht dafür, daß der vorgeschlagene Stilbegriff, auch bei intensivem Bemühen, nicht gewöhnungsfähig und in sein Gegenteil zu verkehren ist. Stil tritt überhaupt erst auf, wenn es ernst wird, wenn es Dinge zu sagen gilt, die sich nicht sagen lassen, wenn es sich, wie der Theoretiker formuliert, um Operationen im Medium des Wahrnehmbaren oder Anschaulichen handelt, die, auch und gerade dann, wenn es um Wortkunst, um Dichtung geht, die übliche Sinnleitung der Sprache nicht in Anspruch nehmen. Stil ist die übergreifende, einem Ausdruckszwang entspringende, in Wortwahl, Satzbau, Motivik und Thematik eingezeichnete künstlerische Formentscheidung. Nach dieser Begriffskorrektur läßt sich bestätigen: Michon ist ein fabelhafter Stilist.
Wenn, nach seiner Einschätzung, Flauberts Stillektionen nur teilweise befolgt werden konnten, so bietet der Rezensent doch weitere Orientierungspunkte an: Stellen Sie sich eine Figur von Céline in der Provinz vor. Einen Icherzähler wie bei Gombrowicz, der umherrennt und den Spuren seiner Erregung folgt. – Die Anweisung läßt sich nur schwer beherzigen, anderen Lesern wären die beiden genannten Autoren eher nicht in den Sinn gekommen. Zum besseren Verständnis Michons kommt aber noch ein weiteres, diesmal negatives Wegezeichen ins Spiel: Wer Michon vor fünfzehn Jahren schon gelesen hat, fiel gewiß weniger heftig auf Houellebecq herein. – Auch das stimmt nachdenklich. Wieso ist Houellebecq kein Autor, den man mehr oder weniger schätzen oder auch ablehnen kann, sondern einer, auf den man notwendig hereinfällt, es sei denn, Michon stellt sich warnend in den Weg. Es handelt sich um zwei französische, in französischer Sprache schreibende Prosaautoren, beide offenbar in besonderer Weise dem Tabak zugetan, weitere Ähnlichkeiten sind auf den ersten Blick nicht festzustellen. Wenn es allerdings nicht mehr als zwei französische Autoren gäbe, Houellebecq und Michon, und man müßte sich für einen entscheiden, dann, und insofern hat der Rezensent in einem tieferen Sinne Recht, bestünden gute Gründe, sich für Michon zu entscheiden.
Dienstag, 23. April 2013
El que hem menjat
Wittgensteins Einlassung, ihm sei egal, was er esse, wenn es nur immer das gleiche sei, spaltet die Erzählwelt. Vor allem die Südländer wollen in ihrer Mehrzahl dem Philosophen nicht folgen. Bei Montalban sind, wenn die Erinnerung nicht täuscht, dem Erzählablauf gar Kochrezepte eingefügt. Paduras Held Mario Conde erholt sich am besten beim gemeinsamen Verzehr der Mahlzeiten, die die Mutter seines Freundes Flaco zubereitet. In Josep Plas Prosa zählen die Mahlzeiten nicht nur in El que hem menjat zu den Protagonisten. Chandlers Held hingegen, Wittgenstein deutlich näher, trinkt und raucht den Tag über, wenn er Festes zu sich nimmt, dann in der Regel zähe Hamburger und geschmacklose Tomaten. Altman hat in seiner Verfilmung des Long Goodbye diese Attitüde noch einmal erheblich gesteigert. Der Film beginnt mit einer langen Sequenz, in der Marlowe vergeblich versucht, seine Katze zu füttern. Das Tier ist von der Werbung verdorben und will nur das Dosenfutter eines bestimmten Herstellers fressen, das sich aber nicht auftreiben läßt. Die Katze bleibt ungesättigt, Marlowe selbst raucht ohne jede Pause und trinkt dazu hinreichend, ausschließlich geistige Nahrung also. Zum Essen angeboten wird ihm in dem fast zweistündigen Film einzig eine Dörrpflaume, und die verschwindet nach einer kurzen Bißprobe nicht in der Mundhöhle, sondern in der Reverstasche seines Sakkos. Sebalds Detektiv nimmt eine Mittelstellung ein, er beginnt wie Josep Pla und endet meist wie Marlowe. Ich weiß nicht, wie ich mir in den fremden Städten die Lokale aussuche, in die ich einkehre. Einerseits bin ich zu wählerisch und gehe stundenlang durch die Straßen und Gassen, ehe ich mich entscheiden kann; andererseits gerate ich zuletzt meistens wahllos einfach irgendwo hinein und verzehre dort in trostloser Umgebung und unter Unbehagen ein mir in keiner Weise zusagendes Gericht. – Alles in allem aber ist Sebald auf der Seite Wittgensteins, seinen Helden Paul Bereyter hat nie jemand etwas essen sehen, und tatsächlich könnte man ihn auf den beigegebenen Photos für Kafkas Hungerkünstler halten. Aurach zieht das betont schlechte Essen im Wadi Halfa allem anderen vor.
In Dostojewskis Dämonen haben zwei Nichtessensszenen einen prominenten Platz. Einmal wird zur unrechten Zeit Essen gereicht, und einmal wird es zur unrechten Zeit vorenthalten. Für Stawrogins Besuch in der NACHT hat der Kapitän Lebjadkin einen Imbiß vorbereitet, undenkbar aber, daß Stawrogin zugreifen und wir ihm beim Essen zuschauen würden; ebenso undenkbar wie im Fall der verschiedenen Geistesmenschen Bernhards, der seine Wittgensteinnähe in ihrer nahrungsspezifischen Ausprägung in den Billigessern verdeutlicht hat. Eine Stawrogin in mancher Hinsicht nahestehende Figur in Sebald ist Cosmo Solomon. Er teilt mit ihm die reiche Herkunft, die Kühnheit und Unbesiegbarkeit, das Unbefriedigtsein, das exzentrische Verhalten – das wörtlich genommene Herumführen an der Nase oder der Biß ins Ohr im Falle von Stawrogin, das berittene Betreten eines Luxushotels im Falle des Cosmo Solomon -, den destruktiven und autodestruktiven Zug. Sämtliche Einladungen zu Diners schlägt Cosmo aus und speist sozusagen nur rein pragmatisch in der Gesellschaft seines Dieners und Freundes Adelwarth.
Die Dämonen erhalten ihre Sonderstellung im Werk Dostojewskis dadurch, daß alle Worte Anton Lawrentewitsch G., dem sogenannten Chronisten des Geschehens, in den Mund gelegt sind. Tatsächlich findet er für kurze Strecken immer wieder zum trockenen Chronikstil zurück, orchestriert in Wahrheit aber mit äußerster Kunstfertigkeit den von fortwährend sich überbietenden Skandalen geprägten Ablauf. Mal ist er bei Gesprächen im kleinsten Kreis dabei, und wenn er nicht dabei ist, kennt er gleichwohl alle Einzelheiten, mal läßt er die Bevölkerung der Gouvernementstadt nach der Art des griechischen Chors agieren. Dabei befreit sich die Tragödie nach und nach von der zunächst ganz ud gar komödienhaften Inszenierung. Höhepunkt der komödienhaften Entwicklung ist die von langer Hand geplante, doppelteilige, aus einer Lesesoireé und einem anschließenden Ball bestehende Wohltätigkeitsveranstaltung zugunsten gealterter Gouvernanten. Rückblickend wird es als schwerer Planungsfehler angesehen, daß das zunächst geplante, im exorbitant hohen Eintrittspreis inbegriffene Buffet im Sinne der vom Erlös der Veranstaltung begünstigten Gouvernanten gestrichen wurde. Wochen zuvor hatte bei einer als Geburtstagsfeier getarnten Sitzung der Fortschrittsfreunde der Umstand, daß nur Tee gereicht wurde, noch als Symbol des nüchtern-heiligen Ernstes der Sache gegolten, nun aber hatte man es mit einer größeren und gemischten Menge mit anderen Bedürfnissen zu tun. Angesichts der vielfältigen und noch sorgfältiger als der Prasdnik selbst geplanten Sabotageakte hätte das Buffet aber wohl nur eine sehr relative Entspannung leisten können.
Ein Säkulum nach Dostojewskis Arbeit an den Dämonen stellte sich das Jahr 1968 ein mit seinem Rückgriff auf gesellschaftsphilosophische Ansätze des neunzehnten Jahrhunderts. Dem einen oder anderen Literaturfreund wird Dostojewskis Buch als Verständnisfolie für die ablaufenden Ereignisse und das Binnenleben einer revolutionären Zelle gedient haben. Eine Dekade zuvor bereits hatte Camus die Besy als Les Possédés in Erinnerung gerufen, nachdem er wiederum eine Dekade zurück La Peste mit einem Chronisten nach Dostojewskis Vorbild ausgestattet hatten. Der Besuch von Feinschmeckerlokalen ist eine der hauptsächlichen Beschäftigungen der von der Pest in der Stadt Oran Eingeschlossenen.
Mittwoch, 22. August 2012
Plowdiw
Städtebilder
Stadt in Bulgarien am Fluß Mariza gelegen. Die zweitgrößte städtische Ansiedlung des Landes, 130 000 Einwohner, Zentrum des Plowdiwer Bezirks. Wichtiger Eisenbahnknotenpunkt. Wichtiges Industriezentrum: Maschinenbau, Kraftfahrzeuginstandsetzung und Gerätebau. Hochschulen, ein reichhaltiges Museum, Bibliothek, Volkstheater. Die erste Besiedlung fällt in die Zeit der Thraker, später Teil des mazedonischen Reiches. 1360 von den Türken eingenommen. Der Name Plowdiw begegnet zum ersten Mal im 17. Jahrhundert. 1885 wurde in Plowdiw die Vereinigung von Nord und Südbulgarien verkündet.
Gleich wird die Queen im Rahmen ihres Staatsbesuches in einer geräumigen Wolga-Limousine vom linken Bildrand her in den geräumigen Boulevard einfahren, um dann nach links in die innerstädtische Baumallee einzubiegen. Sicherheitsbeamte wechseln schnell noch einmal die Straßenseite. Am Ende der Allee wird die Queen wieder nach links abbiegen und dann, nicht sichtbar für uns, nach rechts auf das große Rathausgebäude zuhalten, vor dem der Bürgermeister zum Empfang schon bereitsteht. Die Kinderscharen schwenken probeweise ihre Fähnchen und Blumenkränze. Oder sind wir im Irrtum, erklärt sich die Stille dadurch, daß es hier einer beherzten Bürgerschaft gelungen ist, ihre schöne, unter dem Bergkegel gelegene Stadt vor dem Grauen des Kraftfahrzeugverkehrs zu bewahren. Die Bäumchen werfen Schatten, die Sonne scheint, aber nicht zu heftig, es läßt sich angenehm promenieren. Die Frauen sind ohne Frage sehr schön, sehen können wir sie allerdings nicht.
Stadt in Bulgarien am Fluß Mariza gelegen. Die zweitgrößte städtische Ansiedlung des Landes, 130 000 Einwohner, Zentrum des Plowdiwer Bezirks. Wichtiger Eisenbahnknotenpunkt. Wichtiges Industriezentrum: Maschinenbau, Kraftfahrzeuginstandsetzung und Gerätebau. Hochschulen, ein reichhaltiges Museum, Bibliothek, Volkstheater. Die erste Besiedlung fällt in die Zeit der Thraker, später Teil des mazedonischen Reiches. 1360 von den Türken eingenommen. Der Name Plowdiw begegnet zum ersten Mal im 17. Jahrhundert. 1885 wurde in Plowdiw die Vereinigung von Nord und Südbulgarien verkündet.
Gleich wird die Queen im Rahmen ihres Staatsbesuches in einer geräumigen Wolga-Limousine vom linken Bildrand her in den geräumigen Boulevard einfahren, um dann nach links in die innerstädtische Baumallee einzubiegen. Sicherheitsbeamte wechseln schnell noch einmal die Straßenseite. Am Ende der Allee wird die Queen wieder nach links abbiegen und dann, nicht sichtbar für uns, nach rechts auf das große Rathausgebäude zuhalten, vor dem der Bürgermeister zum Empfang schon bereitsteht. Die Kinderscharen schwenken probeweise ihre Fähnchen und Blumenkränze. Oder sind wir im Irrtum, erklärt sich die Stille dadurch, daß es hier einer beherzten Bürgerschaft gelungen ist, ihre schöne, unter dem Bergkegel gelegene Stadt vor dem Grauen des Kraftfahrzeugverkehrs zu bewahren. Die Bäumchen werfen Schatten, die Sonne scheint, aber nicht zu heftig, es läßt sich angenehm promenieren. Die Frauen sind ohne Frage sehr schön, sehen können wir sie allerdings nicht.
Dienstag, 21. August 2012
Sofija
Städtebilder
Hauptstadt der Volksrepublik Bulgarien. Das wichtigste wirtschaftliche, politische und kulturelle Zentrum des Landes. Administratives Zentrum des Sofioter Kreises. Gelegen im westlichen Teil des Landes in einem Kessel im Westen des Flusses Iskar, einem Nebenfluß der Donau. 644 000 Einwohner. Im 6. bis 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung war das Gebiet Sofija von den Thrakern bewohnt. Im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung wurde die römische Stadt Serdika gegründet. 1877 befreite die russische Armee Sofija mit dem gesamten bulgarischen Gebiet vom Joch der Türken.
Hauptstadt der Volksrepublik Bulgarien. Das wichtigste wirtschaftliche, politische und kulturelle Zentrum des Landes. Administratives Zentrum des Sofioter Kreises. Gelegen im westlichen Teil des Landes in einem Kessel im Westen des Flusses Iskar, einem Nebenfluß der Donau. 644 000 Einwohner. Im 6. bis 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung war das Gebiet Sofija von den Thrakern bewohnt. Im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung wurde die römische Stadt Serdika gegründet. 1877 befreite die russische Armee Sofija mit dem gesamten bulgarischen Gebiet vom Joch der Türken.
Auch manch Vielgereister hat noch nicht die bulgarische Hauptstadt besucht, ein Fehler, wie unschwer zu erkennen ist, weist sie doch einen Volksversammlungsplatz auf, der seinen Namen wirklich verdient. Eine dunkle Limousine ist mit einem hohen Funktionär unterwegs in eiligen Angelegenheiten im Auftrag und zum Wohl der Arbeiter- und Bauernschaft. Bald schon wird er den Platz überquert und unversehrt den Peschechoden zurückgegeben haben, das Pferdewägelchen auf der anderen Straßenseite ist ohnehin keine Störung. Noch ist die Zahl der Versammlungswilligen gering, bald aber werden sie wieder zahlreich zusammengefunden haben, geleitet vom Wunsch, ihr schönes Leben zu bejubeln. Ein schönes Leben macht die Menschen schön, die Sofioterinnen belegen es auf das eindrücklichste. Schade, daß nicht zu erkennen ist, welche Heldentaten im einzelnen auf den beiden hohen Tafeln festgehalten sind. Bei schlechtem Wetter vermag der großzügige Kuppelbau die Jubelnden aufzunehmen.
Donnerstag, 16. August 2012
Rjasanj
Städtebilder
Zentrum der Rjasaner Oblast, am rechten Ufer der Oka gelegen (2 km vom Fluß entfernt), an der Einmündung des Trubesch in die Oka. Bedeutende Anlegestelle an der Oka. Eisenbahnknotenpunkt der Linien nach Moskau, Wladimir, Rusajewska, Rjaschsk. 50 900 Einwohner. Die Stadt ist in drei Rajons geteilt. Staraja Rjasanj wird erstmalig in einer Chronik aus dem Jahre 1069 erwähnt.
Der Name keiner Stadt führt so schnell und tief in das Herz Rußlands wie der Name der Stadt Rjasanj. Man spricht sich leise das Wort vor und hat sogleich den Knäs vor Augen, seine langbärtigen Bojaren, die wunderschönen Bojarinnen in ihren langen schweren, pelzgesäumten Gewändern, die Kuppeln des Kreml. Allerdings liegt das alte Rjasanj, Staraja Rjasanj, heute nur noch eine kleine Ansiedlung, von der modernen Großstadt rund fünfzig Kilometer entfernt die Oka flußabwärts. Die neue Stadt ist hell und weitläufig, großzügige Parkanlagen erlauben einsame Spaziergänge. Schöne Frauen, in hellen oder dunklen Kleidern, lustwandeln, den Durstigen werden an zierlichen Kiosken Kwas und andere erfrischende Getränke angeboten. Über dem Leninplatz schwebt naturgemäß Lenin. Wie soll man sich entscheiden zwischen den Zeiten.
Zentrum der Rjasaner Oblast, am rechten Ufer der Oka gelegen (2 km vom Fluß entfernt), an der Einmündung des Trubesch in die Oka. Bedeutende Anlegestelle an der Oka. Eisenbahnknotenpunkt der Linien nach Moskau, Wladimir, Rusajewska, Rjaschsk. 50 900 Einwohner. Die Stadt ist in drei Rajons geteilt. Staraja Rjasanj wird erstmalig in einer Chronik aus dem Jahre 1069 erwähnt.
Der Name keiner Stadt führt so schnell und tief in das Herz Rußlands wie der Name der Stadt Rjasanj. Man spricht sich leise das Wort vor und hat sogleich den Knäs vor Augen, seine langbärtigen Bojaren, die wunderschönen Bojarinnen in ihren langen schweren, pelzgesäumten Gewändern, die Kuppeln des Kreml. Allerdings liegt das alte Rjasanj, Staraja Rjasanj, heute nur noch eine kleine Ansiedlung, von der modernen Großstadt rund fünfzig Kilometer entfernt die Oka flußabwärts. Die neue Stadt ist hell und weitläufig, großzügige Parkanlagen erlauben einsame Spaziergänge. Schöne Frauen, in hellen oder dunklen Kleidern, lustwandeln, den Durstigen werden an zierlichen Kiosken Kwas und andere erfrischende Getränke angeboten. Über dem Leninplatz schwebt naturgemäß Lenin. Wie soll man sich entscheiden zwischen den Zeiten.
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